Mit seinen Fotografien vom neuen Stammsitz der Jenaer Glaswerke Schott & Gen. in Mainz scheint Heidersberger weit mehr als nur einem Auftrag zur Werbe- und Industriefotografie nachgekommen zu sein. Er inszenierte die gewaltigen Produktionsanlagen bei Tageslicht wie bei Vollmond, bannte den auf Hochglanz polierten Messestand auf Fotopapier und lichtete Teile der Produktpalette für den Haushalt wie auch die für die Industrie ab - von der gläsernen Teekanne nach dem Entwurf des Designers Heinrich Löffelhardt über Glasgeschirr bis hin zum Babyfläschchen, von Laborgläsern aus Borosilikatglas bis hin zu Glasröhrensystemen für die Pharmazie. Darüber hinaus hält er einzelne Arbeitsschritte wie auch die kunstfertige Arbeit der Glasbläserinnen und Glasbläser im Stile eines Reportagefotografen fest. Einzelne Portraits seiner 1956 in Mainz gemachten Aufnahmen erinnern fast an solche August Sanders aus dessen berühmter Serie Menschen des 20. Jahrhunderts.
Heidersbergers Fotografien fanden drei Jahre später Einzug in das von Walter Kiaulehn verfasste Buch Der Zug der 41 Glasbläser, das im Auftrag der westdeutschen Unternehmensabspaltung entstand und sich binnen kürzester Zeit zehntausendfach verkaufte beziehungsweise drei Auflagen erlebte. Es erzählt die Geschichte des durch die US-amerikanische Militärregierung angeordneten „Braindrains“, der die führenden Kräfte vom einstigen Firmensitz in Jena samt wichtiger Unterlagen über die Glaszusammensetzung und Schmelzdaten, Patentschriften oder Fertigungsverfahren gen Westen schickte, um das Wissen des damals führenden Spezialglasherstellers nicht der Sowjetunion zu überlassen. Das Ereignis markiert die bis zur Wiedervereinigung der Bundesrepublik andauernde Spaltung des Unternehmens in Ost und West.