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œuvre

In der Zeit von 1928 -1931 lebt Heinrich Heidersberger in Paris, er besucht die Malschule von Fernand Léger. Oft sitzt er aber zusammen mit seinen Künstlerkollegen im Café du Dome am Boulevard St. Germain. Mit recht wenig Geld in der Tasche versuchen sie sich durchzuschlagen. So geschieht es, dass Ernest Hemingway Heidersbergers Freundin etwas Geld leiht.

Zusammen mit einer Künstlerkollegin, Ida Kar, beschließt er seine Malereien und Zeichnungen photographisch zu dokumentieren. Auf dem Flohmarkt hat er dazu eine Kamera erstanden. Durch das Missgeschick eines Drogisten, der die Entwicklung der Filme übernehmen sollte, werden die Aufnahmen unbrauchbar. So entscheidet er, von nun an den Prozess von der Aufnahme bis zum fertigen Bild selbst in die Hand zu nehmen.

Bis 1935 ist die Photographie für ihn eher ein engagiert betriebenes Hobby als ein Beruf. Nach der Übersiedlung nach Berlin und durch die folgenden Aufträge für Verlage und Agenturen wird die Photographie zur festen Einnahmequelle.

Sein photographisches Werk gliedert sich nach verschiedenen Aufnahmesujets:

'Ein Deutsches Flugzeugwerk' , Wiking Verlag Berlin 1938
'Architekturphotographie 1952-1972', Steidl Verlag  2000

Architekturphotographie

Durch die Bekanntschaft mit dem Architekten Herbert Rimpl kommt er mit der Architekturphotographie in Berührung. Für Rimpl lichtet er das Heinkel Flugzeugwerk in Oranienburg ab. Später macht dieser ihm das Angebot, Leiter der Bildstelle der von ihm geplanten Reichswerke Hermann Göring (Stahlwerke Salzgitter - Braunschweig) zu werden.

Nach dem Krieg wird er durch die Freundschaft zu Braunschweiger Architekten zu deren Stammphotograph und etabliert sich als Architekturphotograph. Bis in die 1970er Jahre soll die Architekturphotographie einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden.

(Heinrich Heidersberger, Architekturphotographie 1952-1972)

# 4115 / 1 Krupp, Hannover, 1969

Werbe- und Industriephotographie

Analog zur Architekturphotographie entwickelt sich die Werbe- und Industriephotographie zu einem zweiten Standbein seiner Arbeit. Er arbeitet für u.a. Firmen wie Brunsviga in Braunschweig, Jenaer Glass in Mainz oder Krupp in Essen.

# 3512 / 1 Schaufenster Studio 'Five', Braunschweig, 1949
'Braunschweig', Verlag Gersbach und Sohn, Braunschweig 1957
'Wolfsburg, Bilder einer jungen Stadt' Bruckmann Verlag 1963

Reise-, Reportage- und Dokumentationsphotographie

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet Heinrich Heidersberger zunächst als Dolmetscher für die Englische Besatzungsmacht. Deren Kulturoffizier engagiert ihn als Photograph und er bekommt in der Braunschweiger Innenstadt ein kleines Atelier (studio five) zur Verfügung gestellt. Von hier aus erledigt er kleine Aufträge für die Engländer und dokumentiert das wiedererwachende Kulturleben der Stadt.

Als Henri Nannen Ende der 1940er Jahre in Hannover das Magazin ‚Stern' gründet, wird Heinrich Heidersberger einer der ersten Photographen der Zeitschrift. Für den ‚Stern' fotografiert er die berühmt gewordene Serie ‚Kleid aus Licht' oder fertigt Reportagen wie z.B. über einen Zirkus, der Anfang der 1950er Jahre über die Zonengrenze flüchtet. In einem Waldstück stellt er die spektakuläre Flucht mitsamt den Zirkustieren nach. Bis zum Anfang der 1960er Jahre arbeitet Heinrich Heidersberger für den ‚Stern'.

Nachdem er Ende der 1950er Jahre ein Buch über Braunschweig publiziert, folgt schon fünf Jahre darauf ein weiteres über seine neue Wirkungsstätte Wolfsburg. Mit viel Akribie und Einfühlungsvermögen nähert er sich den unterschiedlichen Städten.

# 3782  / 226b  Rhythmogramm, ca. 1955
# 3598 / 4 Gasometer, Braunschweig 1952

Freie Arbeiten

Zu dem zweifelsohne wichtigsten Bereich seiner freien, experimentellen Photographie zählen die Rhythmogramme. Aber auch die Aufnahme der Laedertraede in Kopenhagen oder die ‚Spaziergänger in Düsseldorf' gelten mittlerweile als Höhepunkte seines Werkes.

Immer wieder ergeben sich am Rande von Auftragsarbeiten freie künstlerische Interpretationen. Während der Arbeit an einem Wandbild für die Ingenieurschule Wolfenbüttel (heute FH) entwickelt er die ersten Rhythmogramme, und es entstehen Aufnahmen für den Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer in Braunschweig.

Letzte Änderung: 4.9.2010