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# 3809 / 3 Selbstportrait 'Traum und Wirklichkeit', 1955
# 9190 / 02 Selbstportrait, Wolfsburg 1963
# 9361 / 7 Laederstraede, Kopenhagen 1935
'Puppenköpfe' Den Haag, 1934
Selbstsportrait, ca. 1920

 

Heinrich Heidersberger, geboren 1906 in Ingolstadt und gestorben 2006 in Wolfsburg, war Photograph. Als Künstler hat er seine Arbeit ununterbrochen hinterfragt, die technischen Restriktionen mit viel Erfindungsgeist und Fachwissen überwunden und den Konflikt von freier und künstlerischer Arbeit im Werk offen ausgetragen.

Schon früh verschrieb er sich dem Anspruch auf ein neues, der Zeit angemessenes Sehen. Wesentliche Impulse gehen zweifelsohne auf seinen Aufenthalt in Paris zurück. Dort studierte er zwischen 1928-1931 Malerei und kam durch einen, wie er es selbst einmal nannte, "Fingerzeig des Schicksals" in Form einer gebrauchten Holzkamera, die er auf dem Marché aux Puces erstand, zur Photographie.

(Ein Telefongespräch vor 54 Jahren...;1990).

Der junge Autodidakt bewegte sich dort in der Film- und Literaturszene der Surrealisten und blieb der Photographie bis zu seinem Tod treu. Eine Aufnahme wie das berühmt gewordene Bild der Fahrradkuriere auf der Kopenhagener Laederstraede (Abb.) zeugt von dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Neuen Sehen. Die Aufsicht zählt neben anderen ungewöhnlichen Perspektiven, die der Künstler nur durch bauliche Veränderungen am Equipment erreichte, zu einem wichtigen Element seiner unverwechselbaren Bildsprache.

Das Streben nach einem zeitgemäßen Ausdruck ist zugleich Zeugnis der Hoffnung der Moderne, Funktion und Ästhetik, ökonomische, technische und soziale Aspekte zusammenzuführen. In diesem Sinne muss auch Heinrich Heidersberger als Moderner par excellence bezeichnet werden.

Vor allem aber ist Heidersbergers Zusammenarbeit mit so berühmten Architekten wie Alvar Aalto, Walter Henn, Friedrich Wilhelm Kraemer und Dieter Oesterlen Ausdruck des modernistischen Strebens nach einer Verbindung von Technik, Wissenschaft und Kunst. Deren Bauten forderten eine Art des Photographierens, welche die Funktionszusammenhänge erkennen ließ und den damit verbundenen gesamtgesellschaftlichen Visionen Ausdruck verlieh.

Aufgrund seines umfassenden künstlerischen Verständnisses, seiner praktischen Erfahrungen und seines Erfindungsreichtums war Heidersberger geradezu prädestiniert, diese Aufgabe wahrzunehmen. So enstanden in der Arbeit mit führenden Architekten der Nachkriegszeit photographische Bildschöpfungen, die durch die Verbindung von künstlerischer Prägnanaz mit dokumentarischer Präzision einzigartig sind. Da sich Heidersberger jedoch stets und vorrangig dem Photographieren widmete und wenig Energie in die Selbstdarstellung investierte, war sein Werk lange Zeit eher nur einem begrenzten Kreis von Fachleuten als der breiten Öffentlichkeit bekannt. Der bewusste Verzicht auf ein markttaugliches Image manifestierte sich auch in einer gewissen Distanz zu Berufskollegen. Wie Reinhold Mißelbeck in seinem Katalogtext herausstellte, ging Heidersberger "der Photoszene lieber aus dem Weg, ist lediglich Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) [und des Werkbunds], machte aber keine Avancen an [andere] Organisationen […] wo die gesellschaftlichen Kontakte gepflegt wurden."

 

Letzte Änderung: 23.5.2013
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