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experimente

# 3782 / 182a  Rhythmogramm, ca. 1955
# 3784 / 1 Windkanal, 1955
# 3788 / 2 Blitz, 1955
# 9065 / 1 Schneesternchen, 1956

Die Unsicherheit in Bezug auf die eigene Rolle erfasste zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur Fotografen, sondern dehnte sich auch auf den Architekturberuf aus, der seit Ende des 19. Jahrhunderts selbst einer zunehmenden „Industrialisierung“ unterworfen war. Der Architektenberuf wurde einer Aufsplitterung unterzogen: Auf der einen Seite stand der für künstlerische Belange verantwortliche Architekt, auf der anderen der technisch versierte Ingenieur.

Diese Spaltung findet sich auch in der Fotografie: Auf der einen Seite stand der autonome künstlerische Anspruch, der Kunst und Technik, Funktion und Ästhetik zusammenführen wollte, auf der anderen die Auftragsarbeit, die ganz bestimmten, mitunter einschränkenden, Rahmenbedingungen unterworfen war.

Für die KünstlerInnen ergab sich eine gespaltene Situation: Entweder zog man sich auf eine elitäre künstlerische, aber letztendlich folgenlose Position zurück, oder aber man suchte mit der gesellschaftlichen Entwicklung, d.h. im Wesentlichen mit einer zunehmenden Industrialisierung, Schritt zu halten, um sich einzumischen bzw. überhaupt mitzumischen. So wurden im Sinne einer euphorischen Aufbruchsstimmung die neuen (technischen) Möglichkeiten zu einer (gesamt-)gesellschaftlichen Emanzipation genutzt, wie es auch charakteristisch für Heinrich Heidersberger war und ist.

Heidersberger trug den Konflikt zwischen freien künstlerischen Arbeiten und Auftragsarbeiten sichtbar aus, wenn er zum einen in seinen Fotos deutliche Bezüge zur Kunstgeschichte herstellte („Laokoon-Gruppe“, Triptychen, Aktdarstellungen etc.) und anderseits in der Architekturfotografie auf „plastische“ oder „grafische Aspekte“ hinwies.

Jenem Konflikt entsprang in den 1950er Jahren auch die Werkgruppe der Rhythmogramme. Bei der Erstellung eines Wandbildes für eine Technische Hochschule nutzte er den Auftrag, um zugleich ein persönliches Werk zu schaffen. So verstand er es häufig, sich trotz der Rolle des Dienstleisters die Option offen zu halten, andere, persönlichere Bilder abzuliefern.

Letzte Änderung: 23.7.2018
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