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reise | reportage

# 9361 / 7 Laederstraede, Kopenhagen 1935
# 108 / 2 Kleid aus Licht, 1949
# 110 / 2 Kleid aus Licht, 1949
# 9115 / 4 Frankreich 1958
# 3512 / 1 Schaufenster Studio 'Five', Braunschweig, 1949
# 14051 / 5  Reportage 'Nimm mich mit Kapitän...' Stern 1950
# R 4505 / 2.5 'Mit Mann und Roß und Wagen', Stern #21, 1950
'Braunschweig', Verlag Gersbach und Sohn, Braunschweig 1957
'Wolfsburg, Bilder einer jungen Stadt' Bruckmann Verlag 1963
# 9013 / dia 57  MS Atlantic / New York Cuba 1954
# 9013 / dia 58  MS Atlantic / New York Cuba 1954
# 9115 / 2 'Roi Soleil', Frankreich 1958

Die Branche ist noch jung, als Heinrich Heidersberger - nach kurzem Malereistudium in Paris, der Arbeit als freier Künstler in Linz und Den Haag sowie als freier Photograph in Kopenhagen - ab 1936 in Berlin seine Tätigkeit als Bildjournalist aufnimmt. An seiner Arbeitsauffassung hat sich nichts geändert und schon zuvor hat er stets Motive, die ihm besonders gelungen erschienen, Dritten angeboten. Doch nun etabliert sich langsam ein neues Berufsbild und Heinrich Heidersberger weiß diese Marktlücke für sich zu nutzen.

Das Bild von Hanne - Tochter der dänischen Freunde Börge und Edith Ludvigsen - das er noch in Kopenhagen aufgenommen hat, ist Beweis dafür, dass Heidersberger nie nach Genres unterscheidet, sich nie für die eine Aufnahme als Künstler, für die andere als Auftragsphotograph begreift. Wichtiger ist ihm der gelungene Ausdruck der Charakteristika der Zeit sowie das Erfassen wesentlicher Alltagsmomente - exemplarisch sind hier sicherlich die zahlreichen Markt- und Straßenszenen.

Das Bild von Hanne wurde in Berlin Titelblatt der Wochenzeitschrift ‚Koralle', die vom Ullstein Verlag herausgegeben wurde. Das Heft war Forum für naturwissenschaftliche Themen, die mit Bildreportagen gekoppelt waren. Das neue publizistische Format entsprach dem Künstler, war und ist dieser doch vorrangig an der Synthese von künstlerischem und wissenschaftlichen Erfassen der Gegenwart interessiert.

In der ‚Koralle' soll Heidersberger in den kommenden Jahren regelmäßig veröffentlichen. Daneben zählen jährliche Veröffentlichungen in den annualen Bildbänden "Photographies" und in der Zeitschrift "Arts et Metiers Graphiques" zu seiner frühen journalistischen photographie.

Während Heinrich Heidersberger in den Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dem Diktum des eigenen Interesses gehorcht und sich mit seinem improvisierten Entwicklungslabor und Bildverkäufen an Ullstein und Scherl in Berlin über Wasser halten kann, ist nach Kriegsende die Auftragsphotographie ein probates Mittel, sich von der eigenen Kunst zu ernähren. Dank seiner Fremdsprachenkenntnisse wird er von den Besatzungsmächten als Dolmetscher eingesetzt. Diese Verbindung ermöglicht ihm, ein eigenes kleines Photoatelier, das "Studio 5", in Braunschweig zu eröffnen, und er wird als Portraitphotograph der englischen Soldaten sowie als Photograph des britischen Truppentheaters und -ballets tätig. Nie vernachlässigt er dabei den eigenen künstlerischen Anspruch, und so kann er in den 1950er Jahren reine Auftragsarbeiten aber auch freie Serien verkaufen.

Wichtiger und gleichsam inspirierender Auftraggeber wird ab 1946 Henri Nannen. Zu dieser Zeit hat Heidersberger seine erste Einzelausstellung im Haus Salve Hospes in Braunschweig. Für den ‚Stern', damals ein junges Medium im Entstehen, fertigt Heidersberger eine seiner ersten Auftragsreportagen. So begleitet er 1948 das Frachtschiff "Luzi Essberger", welches die ersten Exportwaren nach Kriegsende an Bord hatte. Auf der Fahrt von Bremerhaven über Tunis und Algier nach Istanbul photographiert er den Warenabschlag, das Bordleben, aber auch Alltagsszenen der Zielhäfen und -städte. Im ‚Stern' findet Heidersberger auch das Forum für einen Arbeitszyklus von Aktaufnahmen, die auf Anregung von Nannen bis heute den Titel "Kleid aus Licht" tragen.

Die Photodokumentation der unmittelbaren Umgebung gehört seit jeher zu Heidersbergers Lebensalltag. Er photographiert kurz nach Kriegsende das zerstörte Braunschweig. Eine Reihe von Aufnahmen, die u.a. weidende Schafe vor einem Industrieareal zeigen, erscheint später unter dem Titel "Morgentau über Deutschland" als Reportage über die beginnenden Reparationen im Land. So ist es nicht von ungefähr, dass sich Heidersbeger, nachdem er sich endgültig in Braunschweig und später in Wolfsburg niedergelassen hat, zunehmend als Dokumentarist der beiden Städte etabliert. Dieser Aspekt seiner Arbeit fand u.a. in ‚Merian'-Heften über Braunschweig und Wolfsburg, sowie in den Büchern über die beiden Städte Niederschlag.

Die Stadt Wolfsburg fungiert auch als direkter Auftraggeber. Auf ihre Einladung hin ist Heidersberger 1961 mit seinem Atelier in das Schloss der Stadt gezogen, und in ihrem Auftrag begleitet er den Bau des Kulturzentrums von Alvar Aalto mit der Kamera. Eine dieser Auftragsaufnahmen wird 1963 Titelblatt der Zeitschrift "L'Architecture d'aujourd'hui".

Ohne Zweifel gehörten zu den bedeutendsten Auftraggebern dieser Zeit auch die Architekten der Braunschweiger Schule (Architekturphotographie 1952-1972). Ebenso wie die zahlreichen Reportagen und Dokumentationen für den ‚Stern' oder die ‚Merian'-Hefte stets Ausdruck eines persönlichen Interesses sind, sind auch viele der im Laufe der Jahre entstandenen Reisephotographien gleichsam private Erinnerung und professionelle Dokumentation fremder Lebenszusammenhänge.

Bereits 1954 ist Heinrich Heidersberger gemeinsam mit einem Photographen, den er aus seiner Zeit bei den Stahlwerken Braunschweig kennt, als Schiffsphotograph auf einem Kreuzdampfer engagiert. Erst jüngst wurde eine Serie von farbigen Kleinbilddias bei der Aufarbeitung des Archivs wieder entdeckt. Die Aufnahmen sind ein eindringliches Zeitdokument dieser Reise von New York nach Kuba. Sie lässt die Faszination des Photographen für das Bordleben und die amerikanischen Touristen erkennen und legt gleichsam Zeugnis ab von einem Leben in einem vorrevolutionären Kuba. Aus dem zeitlichen Abstand lässt sich heute erkennen, wie sich Kolonialismus bildlich manifestiert und nachhaltig Weltsicht und Lebensstil prägt.

Auch einige der Aufnahmen, die bei seiner Hochzeitsreise mit seiner zweiten Frau Renate in Südfrankreich entstehen, zählen zu Schlüsselwerken seiner Arbeit. Dort verbringen sie ihre Zeit mit Jean Cocteau, trafen zahlreiche dort arbeitende KünstlerInnen und bewegen sich für einige Wochen in einer angeregten und kulturell aufgeladenen Szene zeitgenössischen Kunstschaffens. - Gleich, ob privater oder professioneller Anlass - Heinrich Heidersberger lebt in der Rolle des Dokumentaristen. Die gegebene Situation ist das Initialmoment unabhängig davon, wer Auftraggeber ist.

Letzte Änderung: 7.9.2010