"Die bewundernswerten Rhythmogramme von Heidersberger sind ein Beweis dafür, daß der Zufall für die Poeten nicht existiert, oder besser, daß sie ihm einen anderen Namen geben.

Die Verbindung von Mensch und Maschine scheint mir ein Merkmal unserer Zeit.

Angesichts dieser erstarrten Schwingungen, so geheimnisvoll wie die Tarnformen von Tieren oder Pflanzen, erhebt sich die Frage, ob nicht das gewaltige Wirken des Kosmos unseren Künstler beeinflußt und uns durch sein Werk eine Musik der Stille bringt, einer Stille, die nichts anderes ist als eine Tonfolge, die unser unvollkommenes Ohr nicht wahrzunehmen vermag. Ich möchte das Oeuvre Heidersberger mit der Auflehnung eines Insekts oder einer Blume vergleichen, die es müde sind, sich den Gesetzen ihrer Gattung zu beugen. Es geschieht wohl, daß Spinnen unter der Einwirkung von Drogen die Struktur ihres Netzes ändern, und daß Marienfäden zu teuflischen Fallstricken werden.

Bewundern wir, auch wenn wir nicht begreifen! Nur so können wir der Düsternis des kartesischen Weltbilds entrinnen."


Ein Brief von Jean Cocteau an Heinrich Heidersberger (1962)


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